WAS ICH DORT ERLEBT HABE, HAT MICH WIRKLICH GETROFFEN

Betrugsexperte warnt

"Was ich dort erlebt habe, hat mich wirklich getroffen"

Sonne, Strand – Preisschock? Ob Italien, Spanien oder Frankreich: Derzeit buchen viele Menschen ihren Sommerurlaub. Betrugsexperte Peter Giesel erklärt, welche Fehler jetzt richtig teuer werden können.

Nach regnerischen Tagen wird das Wetter in Deutschland langsam sommerlich – und damit steigt die Lust auf den diesjährigen Sommerurlaub. Peter Giesel produziert seit über zehn Jahren für den Sender Kabel eins das Format "Achtung Abzocke" und deckt Betrügereien und Wucher weltweit auf – auch bei Reiseanbietern und in Urlaubsländern. Im Interview spricht er über seine Geheimtipps für diesen Sommerurlaub und ein erschreckendes Erlebnis in Italien.

t-online: Herr Giesel, viele Menschen buchen in diesen Tagen ihren Sommerurlaub. Gibt es aus Ihrer Sicht Top- und Flop-Länder?

Peter Giesel: Offen gesagt: Die Flop-Liste ist gerade länger als die Top-Liste. Viele Länder sind in diesem Jahr einfach zu teuer geworden. Deutschland, Europa – klingt nach Klassiker, ist aber längst teilweise unbezahlbar. Thailand war jahrelang ein Schnäppchen-Geheimtipp. Heute zahlt man dort oft fast genauso viel wie in Spanien oder Italien. Und die USA? Mit der Fußball-WM im Sommer? Sorry, selbst wenn der Dollar-Kurs gerade für uns Urlauber attraktiv ist, ist das Preisniveau viel zu hoch. Ganz zu schweigen von 20 Prozent Trinkgeld on top, die überall auch noch erwartet werden. Das ist für mich keine Belohnung für guten Service – das ist Abzocke.

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Das waren viele Flops. Was sind denn Ihre Empfehlungen für den Sommerurlaub in diesem Jahr?

Japan. Klingt weit, klingt teuer – aber das täuscht. Mittlerweile ist es in vielen Ecken günstiger als in Thailand – und es ist ein Land, das ich als fast frei von Abzocken erlebt habe. Das gibt mir im Urlaub einfach ein gutes, sicheres Gefühl. Wer es etwas abenteuerlicher mag: Costa Rica, Panama – eigentlich fast der ganze mittelamerikanische Raum.

Ist es dort nicht sehr gefährlich?

Überhaupt nicht. In so manchen europäischen Hauptstädten fühle ich mich unsicherer als in Panama. Das überrascht viele Touristen – hat es mich auch am Anfang.

Zur Person

Peter Giesel wurde 1971 geboren und machte schon in seiner Schulzeit erste Erfahrungen beim Radio. Zum Journalisten ausgebildet wurde er bei Sat.1, anschließend war er für RTL, Sat.1 und ProSieben tätig. 2006 machte er sich mit seiner eigenen Produktionsfirma selbstständig und produziert seit 2015 das Prime-Time-Format "Achtung Abzocke" für Kabel eins. Der Ableger "Urlaubsbetrügern auf der Spur" geht im Juli in seine zwölfte Staffel. Darin besucht das Team um Giesel unter anderem eines der Länder der Fußball-WM. Außerdem stehen noch weitere Ziele in der ganzen Welt auf dem Programm.

Und wenn man doch in Europa bleiben möchte? Teuer sind viele Länder – aber deshalb muss der Urlaub dort ja nicht schlecht sein.

Ich hab' für unsere neue Staffel "Achtung Abzocke" in einigen europäischen Ländern gedreht und bin bei einigen "Klassiker-Destinationen" echt kalt erwischt worden. Beispiel Italien: Ich liebe Italien – vor allem wegen der Küche. Pasta, Pizza, Dolce Vita. Aber was ich in Neapel erlebt habe, hat mich wirklich getroffen. Ich darf und will jetzt nicht zu viel verraten, aber ich sag' es mal so: Mein Vertrauen in das, was auf meinem Teller landete, wurde echt erschüttert.

Vor jeder Reise steht erst einmal die Buchung, das machen die meisten heute nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet. Wie sehr kann man auf die Buchungsplattformen vertrauen?

Die großen Plattformen selbst sind meistens seriös. Aber Vorsicht: Nicht jeder, der dort sein Angebot einstellt, ist es auch. Wir hatten in den vergangenen Jahren massenhaft Zuschauermails, die uns von Betrug bei Ferienwohnungen berichtet haben. Teils wurden sogar ganze Buchungsplattformen eins zu eins gefälscht. Die Leute haben in freudiger Erwartung auf den Urlaub gebucht, sich aufs Meer gefreut und standen dann vor Ort vor verschlossener Tür. Mallorca war da ein Schwerpunkt. Inzwischen hat die Balearen-Regierung reagiert und eine Registriernummer eingeführt. Die muss jeder Vermieter vorweisen, und man kann sie nachprüfen. In Kroatien soll das, zum Glück, ab diesem Sommer auch kommen.

Die meisten Urlauber wollen in ihren Ferien nicht nur am Strand liegen, sondern auch das Land kennenlernen – mit geführten Touren etwa. Die werden ja oft direkt im Hotel vom Reiseveranstalter angeboten. Eine gute Idee?

Finger weg vom erstbesten Angebot im Hotelfoyer. Wer sich da einfach reinziehen lässt, weil es verlockend klingt, zahlt schnell locker das Doppelte, bekommt aber nicht das Beste. Lieber ein wenig vor Ort umschauen und vergleichen. Das spart einen Haufen Geld – und bewahrt auch oft vor Abzocke.

Sie reisen für Ihre Sendung um die Welt und treffen oft Menschen, deren Urlaubserwartungen vor Ort nicht erfüllt werden. Das Hotelzimmer ist dann plötzlich voller Schimmel und der versprochene Meerblick fällt aus. Oft werden die Betroffenen dann sehr emotional, weinen und wirken verzweifelt. Warum geht vielen Menschen das Thema Urlaub so nah?

Weil Urlaub nicht nur Urlaub ist. Der ist hart erarbeitet, oft monatelang erspart und voller Erwartungen auf die vielleicht schönsten Wochen des Jahres. Man sieht sich schon am Strand, am Pool, mit der Familie. Und wenn das dann so abrupt zerbricht oder einfach nur enttäuschend verläuft, dann ist das mehr als verlorenes Geld: Das trifft die Menschen wirklich. Und das vergisst man auch nicht so schnell.

Was ist der wichtigste Tipp, damit es nicht so weit kommt?

Gute Vorbereitung. Suchmaschinen nutzen, Bewertungen von anderen Urlaubern lesen – und das nicht nur auf einer Plattform. Zur Wahrheit gehört auch: Ein Urlaub muss nicht wahnsinnig teuer sein, aber man darf für einen kleinen Preis keine übergroße Leistung erwarten. Vier Sterne in Griechenland sind nicht vier Sterne in Deutschland.

Eine Woche griechische Insel für 500 Euro – da stimmt etwas nicht. Ganz einfach. Beim billigsten Angebot wäre ich immer misstrauisch. Immer.

Können Sie selbst privat eigentlich noch ohne Angst vor Abzocke in den Urlaub fahren?

Ohne Angst schon, aber nicht ohne gesunde Skepsis. Komplett schützen kann ich mich auch nicht, trotz allem. Ein Beispiel: Vor zwei Jahren wollten wir als Familie in Venedig von einem Parkplatz zum Markusplatz. Und ich bin prompt auf einen Abzocker-Kutter gestiegen, der pro Person zehn oder 15 Euro haben wollte. Dabei gibt es die Fahrt ein paar Meter weiter schon für drei Euro. Ich ärgere mich in solchen Momenten nicht lange – ich mache es rückgängig, wenn ich kann. Und nehme es als Erinnerung mit: Kein Land der Welt ist 100 Prozent abzockfrei. Keines!

Herr Giesel, vielen Dank für das Gespräch!

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Peter Giesel am 21. April 2026

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2026-05-17T10:03:15Z