Reisen scheint für viele Demenzkranke unmöglich – doch ein Pflegeheim in Australien beweist das Gegenteil. Mit einer ungewöhnlichen Idee schenkt es seinen Bewohner:innen ein Stück Freiheit und verlorene Erinnerungen zurück.
Bei Demenz-Erkrankungen gibt es nicht mehr viel Spielraum für Unternehmungen. Im fortgeschrittenen Stadium einer Alzheimer-Demenz wird umfassende Pflege nötig. Lange Ausflüge, geschweige Urlaub sind kaum möglich. Auslandsreisen fallen weg, gerade, weil ein Ausbruch aus der gewohnten Umgebung hochriskant ausfällt.
Das schränkt ein, raubt Lebensqualität. So schön ein Pflegeheim auch sein mag, es dürfte eher schmerzen, ein gewaltiges Stück eigener Souveränität zu verlieren. Ein australisches Pflegeheim möchte sie ihren Anwohner:innen zurückgeben – und sei es nur für einen Moment.
Statt richtiger Reisen gibt es lebensnahe Simulationen. Dafür hat das Pflegeheim einen Raum zum Zugabteil umgebaut. Große digitale Fenster zeigen vorbeiziehende Landschaften, Surround-Sound schafft eine realistische Geräuschkulisse, ein KI-Reiseführer übernimmt die Reisebegleitung.
Auf den Bildschirmen sind vorbeiziehende Landschaften zu sehen, darunter die Schweizer Alpen.Landesspezifische Speisen, etwa Schweizer Schokolade, Käse und Gebäck, verstärken die Immersion. Der "Zug" heißt St. Vincent's Express, benannt nach der Einrichtung St. Vincent's Care Services.
Die Pflegedienstleiterin, Elzette Lategan, hat das Projekt ins Leben gerufen. Vor zwei Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit immersiven Technologien, vor allem VR-Projekte haben es ihr angetan. Ihr Ziel: Menschen in Bewegung bringen, innerlich wie äußerlich, schreibt der "Reisereporter".
Rund die Hälfte der 175 Einwohner:innen lebt mit kognitiven Erkrankungen, darunter Demenz-Symptomen. Viele von ihnen würden gerne ins Ausland reisen, sagt Lategan. Möglich sei das aber nicht. Ihr Schluss: "Warum bringen wir die Welt nicht zu ihnen?"
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Fährt der Zug ab, so beschreibt es "Reisereporter", kämen Erinnerungen zurück, die Blicke der Anwesenden würden wacher werden. Eine Bewohnerin sagt nach einer Fahrt: "Was für eine herrliche und wunderbare Auszeit – ich hatte das Gefühl, wieder durch die Welt zu reisen." Sie betonte, dass sie das gerne häufiger machen würde, gerne in alle Länder.
Es ist ein Pionierprojekt, das den Menschen ein großes Stück Lebensqualität zurückgibt. Wäre doch schön, wenn sich weltweit Pflegeheime von dieser Idee inspirieren lassen.
2026-04-02T11:19:59Z