ENTSPANNT ZUGFAHREN MIT DEM VIERBEINER

Mit klaren Regeln, guter Planung und etwas Übung wird die Fahrt im Zug auch für Hunde angenehm und stressfrei. Das erleichtert auch Haltern die Reise.

Ob Tagesausflug, Urlaubsreise oder der Besuch bei Freunden – viele Menschen nutzen für solche Strecken gerne die Bahn. Wenn jedoch ein Hund mitreisen soll, stellen sich schnell zahlreiche Fragen. Darf der Vierbeiner überall mitfahren? Braucht er ein eigenes Ticket? Welche Vorschriften gelten, und wie lange darf die Fahrt eigentlich dauern? Wer sich gut informiert und vorbereitet, sorgt dafür, dass aus der potenziellen Herausforderung eine entspannte Reise für Mensch und Tier wird.

Nach Angaben der Deutschen Bahn sind jedes Jahr rund 100.000 Hunde in den Zügen unterwegs. Ob eine Fahrkarte erforderlich ist, hängt dabei vor allem von der Größe des Hundes und vom jeweiligen Verkehrsverbund ab. Allgemein gilt: Kleine Hunde, die in einer geschlossenen Transportbox mitgeführt werden, fahren kostenlos. Für größere Tiere muss hingegen ein Fahrschein zum halben Preis eines Erwachsenentickets gelöst werden. Die Buchung erfolgt online, am Schalter oder am Automaten, die Option „Hund“ ist im Buchungsprozess auswählbar.

Auch Besitzer eines Deutschlandtickets müssen für ihren Hund ein gesondertes Ticket kaufen. Ein spezielles Deutschlandticket für Hunde gibt es nicht und auch die Nutzung eines regulären Deutschlandtickets für das Tier ist ausgeschlossen. In den jeweiligen Verkehrsverbünden gelten teilweise abweichende Bestimmungen. So erlaubt etwa der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Mitnahme von Hunden unabhängig von deren Größe grundsätzlich kostenlos. Wer im Nahverkehr unterwegs ist, sollte sich also vorab über die konkreten Regelungen des jeweiligen Verkehrsunternehmens informieren.

Für das Verhalten im Zug gelten klare Vorgaben. Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) weist darauf hin, dass Hunde grundsätzlich nicht auf den Sitzen Platz nehmen dürfen. Sie müssen neben, vor oder unter dem Platz ihrer Begleiter sitzen oder liegen. Im Bordrestaurant sind Haustiere mit Ausnahme von Assistenzhunden aus hygienischen Gründen nicht gestattet. Für Hunde, die nicht in einer Transportbox reisen, sind außerdem Leine und Maulkorb verpflichtend. Diese Regel kann vom Zugpersonal kontrolliert und eingefordert werden. Für anerkannte Blindenführ- und Assistenzhunde gelten Ausnahmen: Sie dürfen stets kostenlos mitfahren – unabhängig von Größe oder Transportart – und benötigen keinen Maulkorb. Voraussetzung ist allerdings ein entsprechender Nachweis, etwa ein Schwerbehindertenausweis oder ein Dokument mit dem Vermerk „Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft“. Zudem müssen sie deutlich als solche gekennzeichnet sein, beispielsweise durch eine Kenndecke, ein spezielles Geschirr oder Halsband.

Nicht nur die Vorschriften sind entscheidend, auch die Vorbereitung auf die Reise kann maßgeblich dazu beitragen, dass die Fahrt für alle Beteiligten angenehm verläuft. „Vor der Fahrt ist es immer sinnvoll, den Hund ordentlich auszupowern“, rät Hundetrainer und Ratgeberautor Anton Fichtlmeier. „Dann kann er sich zum einen erleichtern, wird zum anderen aber auch einen Teil der Zugfahrt in Ruhe schlafen können.“ Drei Stunden seien dem Experten zufolge meist unproblematisch, vor allem wenn der Hund ruhig liegen kann. „Bei längeren Strecken sollte man dann noch weitere Pausen einplanen – idealerweise, wenn man ohnehin umsteigen muss“, betont der Hundetrainer. „20 bis 30 Minuten reichen meist schon, um kurz im Bahnhofsumfeld eine Runde zu drehen und dann wieder rechtzeitig am Gleis zu sein. Wie oft ein Hund Pausen braucht, unterscheidet sich aber ganz individuell.“

Ebenso wichtig ist es, das Verhalten im Zug im Vorfeld zu trainieren. Leine, Maulkorb, eine feste Decke sollten dem Hund vertraut sein. Das üben Halter am besten zu Hause. „Nach einer ausgiebigen Gassirunde setzen sie sich auf einen Stuhl, motivieren ihren jetzt müden Hund, der immer noch angeleint ist und seinen Maulkorb trägt, sich anfangs nur für wenige Minuten auf seiner Decke abzulegen“ erklärt Anton Fichtlmeier. „Daran gewöhnt er sich recht schnell. Und das gibt ihm dann auch später im Zug das Signal: Das ist mein Platz. Ich soll mich ruhig verhalten und kann ausruhen.“

Ein weiteres Thema ist die Rücksichtnahme auf andere Fahrgäste. In Ruhebereichen sind Hunde zwar erlaubt, doch selbst ein leises Hecheln oder Schmatzen kann hier Mitreisende stören. Am besten wählt man einen Platz mit etwas mehr Freiraum, beispielsweise an den Wagenenden oder an Sitzplätzen mit Tischen. Zudem kann es vorkommen, dass Mitfahrende den Hund streicheln möchten. „In solchen Fällen sollten Halter immer aufmerksam sein und sowohl ihren Hund als auch die Situation einschätzen“, rät Anton Fichtlmeier. „Ist mein Hund ruhig und entspannt und ich weiß, dass ihm die Zugfahrt nichts ausmacht, ist es auch kein Problem ihn unter Aufsicht streicheln zu lassen.“ Aber nicht jeder Hund mag das Bahnfahren und dann kann der Kontakt zu Fremden schnell Stress auslösen. Das sollte dann klar kommuniziert werden.

Nicht nur im Zug selbst, sondern bereits am Bahnsteig oder in der Bahnhofshalle lauern potenzielle Stressfaktoren. Viele Menschen, enge Wege, laute Durchsagen und vorbeifahrende Züge können Hunde schnell verunsichern. Bei Reisen mit dem Tier sollte man daher genügend Zeit einplanen, um ohne Hektik ein- oder umzusteigen. Hilfreich ist es auch, den Hund kurz an der Leine zu halten und Abstand zu stark frequentierten Zonen zu wahren. Rolltreppen sollten mit Hund gemieden werden, denn sie bergen Verletzungsgefahr für die Pfoten. Wenn möglich, sollten Halter lieber den Aufzug nutzen oder eine Treppe gehen.

Auch die Wartezeit am Gleis lässt sich hundefreundlich gestalten. Schattenplätze im Sommer oder windgeschützte Ecken im Winter können helfen, dem Tier das Warten angenehmer zu gestalten. Ein kurzer Spaziergang rund um den Bahnhof hilft ebenfalls, dem Hund Bewegung und neue Reize in kontrollierter Form zu ermöglichen – so fällt das anschließende Ruhen im Zug leichter.

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